Rechtsstreit um Sportwetten: BGH setzt Verfahren gegen Tipico aus und ruft EuGH an
Auf Monitor-Anfrage heißt es nur ganz allgemein: "Behauptete Verstöße (…) werden durch die GGL geprüft." Zu konkreten Vorgängen in einzelnen Unternehmen äußere man sich grundsätzlich nicht. Ob Michael Keller und die anderen Kläger ihr Geld zurück bekommen werden, hängt nun erstmal am EuGH.
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", jenes Unternehmen der Tipico-Gruppe, das seit 2020 die deutsche Lizenz für Sportwetten hat. In deren Geschäftsbericht 2024 findet sich eine Dividendenausschüttung von 1,087 Milliarden Euro an die "Tipico Group" - also an die Muttergesellschaft. Das sei nicht illegal, betont Schmitt, aber: "Das deutet darauf hin, dass man hier versucht, eine leere Hülle zu hinterlassen, um zukünftigen Spielerverbindlichkeiten aus bestehenden Urteilen aus dem Weg zu gehen". Monitor hat den Weg der Milliardenausschüttung innerhalb des Firmengeflechts der Tipico-Gruppe nachvollzogen: Von der Muttergesellschaft - der "Tipico Group Ltd." in Malta wurde es offenbar an verschiedene Tipico-Gesellschaften in Luxemburg weitergereicht. Ein Großteil der Millionensumme wurde anschließend an die oberste Konzernmutter "CVC Capital Partners VII" auf Jersey weitergereicht.
Die Einschätzung des Generalanwalts am EuGH
Die Mehrheitsanteile wurden jetzt auch noch weiterverkauft. Für Regine Buchheim - Professorin für internationale Rechnungslegung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin - ist der aufgekommene Verdacht nicht von der Hand zu weisen, auch wenn man die Gründe der "Umstrukturierung" von außen nicht beurteilen könne: "Der Abschluss belegt, dass das Tafelsilber - nämlich die Rechte des Internetauftritts, ein Teil des Kundenstammes, die Software und die Marke - an die Mutter übertragen worden sind. Und das kann ich ja nur einmal im Leben eines Unternehmens machen", so die Expertin gegenüber Monitor. mit der massiven Gewinnausschüttung - knapp 450 Prozent höher als im Vorjahr - also gezielt arm gemacht worden, um den Klageforderungen zu entgehen? Tipico-Chef Axel Hefer - gleichzeitig Aufsichtsratschef von Schalke 04 - hat ein Interview dazu abgelehnt. Und dann womöglich an der Frage, ob die "Tipico Co.
Casinos beriefen sich auf EU-Dienstleistungsfreiheit
Am Ende hatte er mit Sportwetten und Glücksspiel rund 80.000 Euro verloren. Jetzt will Keller (Name geändert) sein Geld vom größten deutschen Sportwettenanbieter zurück - und nicht nur er: "6.000 Klagen - eher mehr" gebe es, schätzt Rechtsanwalt Achim Görg aus Ludwigsburg. Er und andere Anwälte der Klagenden schätzen den Gesamtumfang der Klagen auf bis zu 150 Millionen Euro. Vor Gericht hat Michael Keller Recht bekommen. Der Vertrag sei "nichtig", denn als er wettete, hatte Tipico in Deutschland gar keine Lizenz für Sportwetten.
Wie ist das behördliche Erlaubnisverfahren abgelaufen?
Doch es gibt viele solcher Urteile, nicht nur gegen Tipico - denn zwischen 2012 und 2020 hatten die Anbieter von Online-Sportwetten und Online-Glücksspiel in Deutschland keine Lizenzen und es gab keinen umfassenden Spielerschutz. Tipico bestreitet, sich rechtswidrig verhalten zu haben- diese Frage werde durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) geklärt und man sehe dieser Klärung zuversichtlich entgegen, heißt es auf Anfrage des ARD-Magazins Monitor. Die Höhe des möglichen Schadens von 150 Millionen Euro kommentiert Tipico nicht - man habe dafür aber nach internationalen Standards Rückstellungen von "unter 10 Millionen Euro" gebildet. Also nicht einmal zehn Prozent der geschätzten Schadenssumme. Und viel mehr Geld ist in der beklagten Tipico-Gesellschaft offenbar auch gar nicht mehr vorhanden. auf Malta überhaupt noch genug Geld hat.
| Phase | Zeitraum (ca.) | Rechtlicher Rahmen | Marktsituation für Tipico | Auslösendes EuGH-Urteil |
|---|---|---|---|---|
| Monopolphase | bis 2012 | Staatliches Oddset-Monopol, private Anbieter illegal | Operationen rechtlich angreifbar, Graumarkt | Vorläuferurteile (z.B. Stoß 2010) |
| Rechtsstreit & Übergang | 2012-2020 | Interimsregelungen, Länderverträge, Rechtsunsicherheit | Teilweise Lizenzen, viele Gerichtsverfahren | Ince (2016), Stanleybet (2017) |
| Regulierter Wettbewerb | ab 2021 | Glücksspielneuregulierung (GlStV 2021), Lizenzvergabe | Voller legaler Marktzugang als lizenzierter Anbieter | Kumulierte Wirkung der EuGH-Rechtsprechung |
"Ihre Wette in sicheren Händen" - für Michael Keller klingt die damalige Tipico-Werbung mit Oliver Kahn mittlerweile wie Hohn. Kahn reagierte nicht auf eine Anfrage von Monitor. Zahlreiche Klagen gegen die Anbieter von Online-Sportwetten laufen in vollem Gange – eine Vielzahl weiterer kann bzw. wird voraussichtlich folgen. Auch der Europäische Gesichtshof (EuGH) ist hier mitunter eingebunden. Zum einen hat er zur Verhängung eines vorübergehenden Lizenz-Stopps in Deutschland vor Jahren beigetragen.
Glücksspiel-Rechtler: "Kritische Situation" für Online-Anbieter
Tipico sitzt im EU-Staat Malta und ist dort zurzeit noch sicher vor den Rückforderungen, denn Malta hat 2023 ein Gesetz erlassen, das zum Schutz der dortigen Glücksspielbranche maßgeschneidert ist: die so genannte "Bill 55". Danach werden Urteile ausländischer Gerichte gegen Glücksspielunternehmen und Sportwettenanbieter nicht vollstreckt. Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Am Ende entscheidet der EuGH - und nach Einschätzung der Kläger stehen die Chancen nicht schlecht, dass er die "Bill 55"kippt. Zusammengefasst laufen also gerade zwei Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof, deren Ausgang für Tipico und andere Glücksspielanbieter sehr teuer werden könnten.
Online-Sportwetten vor dem EuGH: Die Positionen im Rechtsstreit
Versucht Tipico deshalb, das Geld vor den Klägern in Sicherheit zu bringen? Genau diesen Verdacht hat etwa der Branchen-Insider Michael Schmitt von der Online-Plattform "Malta Media", der mit einer Kollegin die Bilanzen verschiedener Tipico-Gesellschaften analysierte. Er hat dabei einen Milliardenabfluss aus eben jener Tipico-Tochtergesellschaft entdeckt, die die deutsche Lizenz für Sportwetten hält - und gegen bet sportwetten tipps heute basketball die sich die Klagen der Spielenden aus Deutschland richtet. "Uns ist ganz einfach aufgefallen, dass im Geschäftsbericht von 2024 sehr große Bewegungen waren", so Schmitt. Konkret geht es um die "Tipico Co. Zum anderen fordern ihn aktuell Gerichte, sich im Komplex um Online-Wettgeschäfte zu positionieren. Wir liefern Ihnen einen Überblick über die Geschehnisse und über ausstehende Urteile des EuGH zu Sportwetten.
- Der Spielerschutz ist ein anerkannter zwingender Grund im Sinne des EuGH.
- Maßnahmen wie Einzahlungslimits oder Selbstsperren müssen verhältnismäßig sein.
- Tipico implementiert aufgrund regulatorischer Vorgaben umfangreiche Schutzmechanismen.
- Der EuGH anerkennt auch die Gefahr der Spielsucht und Betrugsbekämpfung als legitime Ziele.
- Pauschale Werbeverbote können jedoch gegen EU-Recht verstoßen.
Online-Wettanbieter haben Sportwetten über das Internet jahrelang illegal angeboten.
- Die EuGH-Rechtsprechung betrifft auch steuerliche Aspekte von Sportwetten.
- Diskriminierende Steuern für ausländische Anbieter sind unzulässig.
- Tipico kann vor nationalen Gerichten gegen ungerechtfertigte Steuerlasten vorgehen.
- Die Rechtssicherheit für Unternehmen im Binnenmarkt wird dadurch erhöht.
- Steuereinnahmen aus regulierten Märkten sind ein wichtiges Argument für die Liberalisierung.
Wer in Deutschland Online-Glücksspiel betreiben will, benötigt dafür eine gültige Lizenz. Entsprechende Konzessionen wurden jedoch lange nicht ausgegeben.
Der lange Weg nach Luxemburg
Wir geben Ihnen eine realistische Einschätzung Ihrer Erfolgsaussichten Wir begleiten Sie bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche außergerichtlich und vor Gericht Stellen Sie jetzt eine unverbindliche Anfrage an uns. Rechtsanwalt István Cocron ist seit vielen Jahren auf die Beratung und Vertretung im Glücksspielrecht spezialisiert. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in der Durchsetzung von Rückforderungsansprüchen betroffener Spieler. In diesem Zusammenhang hat er bereits mehrere tausend Fälle aus dem Bereich Online-Glücksspiel betreut. Er vertritt Mandanten bundesweit sowohl außergerichtlich als auch in gerichtlichen Verfahren und befasst sich regelmäßig mit aktuellen Entwicklungen im deutschen und europäischen Glücksspielrecht.
Tipico sieht schon jetzt einen Erfolg
Ja, insbesondere dann, wenn der Anbieter im relevanten Zeitraum ohne deutsche Lizenz tätig war. Entscheidend ist dabei vor allem, ob der Anbieter im konkreten Zeitraum über eine gültige deutsche Erlaubnis verfügte. Online-Sportwetten dürfen in Deutschland nur mit staatlicher Erlaubnis angeboten werden. Viele Anbieter von Online-Casinospielen verfügen über eine Lizenz aus Malta und berufen sich darauf, ihre Dienstleistungen in ganz Europa anbieten zu dürfen. Der Europäische Gerichtshof hat jedoch klargestellt, dass eine solche maltesische Lizenz nicht automatisch dazu berechtigt, Online-Casinospiele in Deutschland anzubieten. Die Wettbetreiber haben dabei Profit vor geltendes Recht gestellt und sich über das Verbot hinweggesetzt. Das kommt sie nun teuer zu stehen, denn: Spieler:innen, die illegale Wettangebote genutzt haben, haben Anspruch auf Erstattung ihrer Verluste. Und genau die klagen viele jetzt auch ein.
| Marktteilnehmer | Status vor EuGH-Urteilen | Status nach EuGH-Urteilen | Aktuelle Lizenz (2026) |
|---|---|---|---|
| Tipico | Rechtsunsicherheit, teils illegaler Markt | Einer der führenden lizenzierten Anbieter | Ja (Glücksspielbehörde, GGL) |
| Oddset (Staatl. Monopol) | Monopolstellung | Wettbewerber auf einem regulierten Markt | Staatliche Konzession |
| Andere private Anbieter | Graubereich | Wettbewerb um Lizenzen | Teilweise (z.B. Bet365, Mybet) |
| Unlizenzierte Anbieter | Breite Verfügbarkeit | Illegal, jedoch noch präsent | Nein |
Da die Spieler:innen nichts von den illegalen Machenschaften der Wettbüros gewusst haben – es kann nicht vorausgesetzt werden, dass sie die Rechtslage im Detail kannten bzw.
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Für Spieler bedeutet das: Auch wenn ein Anbieter eine EU-Lizenz besitzt, können Verluste zurückgefordert werden, wenn keine deutsche Erlaubnis vorlag. Viele Anbieter, die über eine Lizenz aus Malta verfügen, berufen sich auf die europäische Dienstleistungsfreiheit, um auch in Deutschland tätig werden zu dürfen. Der EuGH hat jedoch im April 2026 im Rahmen des Verfahrens C-440/23 ausdrücklich entschieden, dass eine ausländische Lizenz in Deutschland nicht ausreicht und diese Anforderung auch mit der Dienstleistungsfreiheit zu vereinbaren ist. Grundsätzlich können Verluste aus Online-Glücksspiel bis zu zehn Jahr rückwirkend geltend gemacht werden. Gerade bei Anbietern ohne deutsche Lizenz bestehen sehr gute Erfolgsaussichten – eine individuelle Prüfung ist jedoch immer erforderlich.Anhand Ihrer konkreten Spiel- und Zahlungsdaten lässt sich belastbar beurteilen, ob und in welcher Höhe Ansprüche bestehen.
Was ist im Ausgangsverfahren passiert, das zum EuGH gelangt ist?
Mehrere Tausend Spieler haben Deutschlands größten Sportwettenanbieter Tipico verklagt und teils auch Urteile erwirkt. Doch nach Monitor-Recherchen könnte Tipico das Geld längst in Sicherheit gebracht haben. Seit seiner Kindheit ist der 48-jährige kaufmännische Angestellte Fan des FC Bayern München. Die deutsche Torwart-Ikone warb jahrelang für den Sportwettenanbieter Tipico. "Ihre Wette in sicheren Händen", versprach Kahn - und so begann Keller 2015 mit Sportwetten. kennen – müssen sie keine negativen Konsequenzen befürchten.
EuGH-Urteil: Wie lange dauert’s?
Schriftlich weist das Unternehmen den Verdacht, sein Geld vor den Klägern in Sicherheit bringen zu wollen, allerdings nicht ausdrücklich zurück. Tipico schreibt von "unlauteren Spekulationen", die man prinzipiell nicht kommentiere: "Die Ausschüttung von Dividenden unterschiedlicher Höhe, Umstrukturierungen sowie Rechtsgeschäfte zwischen unterschiedlichen Gesellschaften innerhalb einer Unternehmensgruppe sind gewöhnliche Vorgänge, die (…) in allen Wirtschaftssparten üblich sind. Sämtliche Transaktionen innerhalb der Tipico Gruppe werden extern überprüft und geschehen auf Basis geltenden Rechts." Aber warum gerade jetzt so viel Geld aus der in Deutschland beklagten Tipico-Tochter ausgeschüttet wurde - dazu macht Tipico keine Angaben. Der deutschen Aufsichtsbehörde - der Glücksspielbehörde der Länder (GGL) - sind diese Vorgänge bekannt. Wird sie die Tipico-Lizenz jetzt überprüfen? Für die Betreiber hingegen geht es um viel Geld.
- Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat mehrfach über die Zulässigkeit nationaler Glücksspielmonopole geurteilt.
- Die EuGH-Rechtsprechung betont den Grundsatz des freien Dienstleistungsverkehrs innerhalb der EU.
- Nationale Beschränkungen müssen verhältnismäßig sein und zwingende Gründe des Allgemeininteresses verfolgen.
- Die Rechtsprechung beeinflusst die Regulierung von Sportwettenanbietern wie Tipico in EU-Mitgliedstaaten.
- Urteile wie "Markus Stoß" oder "Engelmann" sind für die Wettbranche richtungsweisend.
- Lizenzvergabe an private Anbieter darf nicht diskriminierend oder willkürlich sein.
Dass es zu einem Lizenz-Stopp kam, dazu hat der EuGH bei Online-Sportwetten beigetragen.
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